Nov 02 2008
Tagesgeld oder Festgeld? Eine Frage, die mir häufig gestellt wurde

Festgeld-Werbung einer Bank. Lässt sich damit das aktuelle Zinsniveau langfristig sicher?
In den vergangenen Wochen wurde mir häufig die Frage gestellt, wie sich die Zinsen beim Tagesgeld entwickeln werden. Die Fragenden überlegten, ob sie mit Festgeld den aktuell hohen Zinssatz von mehr als 5 Prozent für mehrere Jahre sichern sollten oder ob sie noch auf weitere Zinssprünge warten könnten.
Tagesgeld und der europäische Leitzins
Zwischen 2003 und 2007 zogen die Zinsen für Tagesgeld meist an, wenn der europäische Leitzins angehoben wurde, was auch regelmäßig passierte. Nur wenige Anbieter boten mehr als den Leitzins.
Heute liegt die europäische Zinsvorgabe bei 3,75 Prozent und eine Fülle von Anbietern bietet mehr als diesen Satz. Für neue Kunden bzw. frisches Geld werden bis zu 5,75 Prozent gezahlt. Festgeldanbieter liegen ebenfalls über dem Leitzins.

Rot: Leitzins Euroraum - blau: Leitzins USA
Woran liegt das?
Die Banken brauchen Geld. Untereinander gibt es viel Misstrauen, sodass sie sich nur begrenzt und zu hohen Zinssätzen gegenseitig Geld leihen.
Dies ist aber täglich notwenig, da die eine Bank am Tag A mehr Geld ausgibt, als sie einnimmt, und bei der anderen ist es umgekehrt. In einem funktionierenden Markt bekommt die erste Bank „über Nacht“ Geld von der zweiten Bank. An Tag B kann das schon wieder umgekehrt sein.
Wie lange hält das hohe Zinsniveau noch an?
Bis die Bankkrise überwunden ist. Steigt das Vertrauen unter den Banken, was passieren wird, immerhin bieten immer mehr Staaten Garantien für Kreditlinien an, dann werden die Zinsen wieder Richtung Leitzinsniveau sinken.
Bis dahin kann es aber bei einigen Banken noch Steigerungen geben. Andere Banken werden schon vorzeitig die Zinsen senken, weil ihnen das Tragen der zusätzlichen Zinslast schwer fällt.
Bildmaterial: Mercedes-Benz Bank, Wikipedia
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